ok.danke.tschüss und Remote Bondage in Berlin | 23.02.2024

Ich hatte überlegt, eine Band zu gründen, aber bisher würden wir nur aus Bass und Schlagzeug bestehen. Das kann ja nichts werden, wir bräuchten auf jeden Fall noch Gitarre und Gesang.

Dachte ich zumindest, bis ich Remote Bondage live im SO36 gesehen habe. Statt einer Gitarre gibt es zwei weitere Sängerinnen und die Energie, die sie liefern, könnte eigentlich auch die restlichen Instrumente ersetzen.

Mit ihrem pop-punkigem Auftritt und feministischen Texten passt die Band auch perfekt zum SO36. Hört am besten selbst mal rein, zum Beispiel bei „Katze“, ein Song, der Catcalling outcallt. Live sind Remote Bondage auf jeden Fall zu empfehlen, also holt euch am besten ein Ticket für die Tour im Oktober. Sofern ihr Lust auf freche Texte, coole Outfits und gute Stimmung habt. Und wenn ihr diese Band finanziell unterstützen wollt, könnt ihr das über deren gofundme.

Während auf der Bühne etwas umgeräumt wurde, füllte sich das SO36 immer weiter. Das Licht ging kurz aus, mehr Menschen drängten sich nach vorne und dann kamen ok.danke.tschüss auf die Bühne.

In meinem Umfeld kannten die meisten diese Band durch den Song „Leukämie du Bitch“, in dem die Sängerin Eva ihren erfolgreichen Kampf gegen Leukämie besingt. Für den Einstieg empfehle ich sonst noch „Joel“ und falls jemand von euch gerade noch Deutsch lernt, schaut euch gerne das Video zu „Zeug“ an.

Wer sich die Songs noch nicht angehört hat: Stiltechnisch geht es da vor allem Richtung Pop, aber manchmal ist es auch etwas rockiger. Die Texte sind aktuell und teilweise politisch, gelegentlich werden aber auch eher unspektakuläre alltägliche Erfahrungen verarbeitet. Manchmal hat man allerdings auch das Gefühl, der Theatergruppe eines Gymnasiums am Rande von Berlin zuzuhören. Es ist einfach eine spezielle Art von Humor, die für den einen oder die andere etwas cringe sein könnte.

Auf der Bühne wirkt die Band sehr nett und selbstbewusst. Die Leute im Publikum spiegeln die Offenheit in den Texten wieder und ist sehr friedlich. Die Band hatte sich auch darum gekümmert, dass sich alle vor Ort besser kennenlernen, indem man sich den Leuten links und rechts vorstellt und kurz mit ihnen quatscht. Das Resultat war zwar meistens ein peinlich berührtes „Hi!“ mit einem angespannten Lächeln und kurzem Kopfnicken. Aber naja, sie haben es zumindest versucht.

Ansonsten gab es noch zwei weitere Highlights. Eins davon war ein wortwörtliches Couch-Surfen – eine aufblasbare Couch wurde ins Publikum geworfen und herumgeschubst. Niemand wurde verletzt und zum Glück ging auch nichts kaputt, obwohl die Couch gefährlich nah an die Diskokugel kam.

Das zweite Highlight gab es bei der Zugabe, denn dort wurde improvisiert. Eva hatte vier Begriffe aus dem Publikum bekommen (Sesamstraße, Obst, Frieden, Lederhose) und zusammen mit dem Rest der Band spontan einen Song draus gemacht. Da wurde nochmal das sprachliche Talent der Sängerinnen betont. Das war echt beeindruckend!

Generell gab es noch viele kleine spannende Spielereien, aber wer wissen will, was alles so passiert bei einem ok.danke.tschüss Konzert, sollte einfach selbst hingehen.

Fazit: Vor allem geeignet für extrovertierte Theaterkids, die einen romantisch-hoffnungsvollen Blick auf die Welt haben. Oder es gerne hätten.

xoxo