Berlin ist eine internationale Stadt mit viel internationaler Musik. Dass die Band International Music dann ausgerechnet aus dem Ruhrgebiet kommt, kratzt zwar etwas am Hauptstadt-Ego, aber naja, wenigstens kamen sie zumindest hierher.
Doch los ging es erstmal um 20 Uhr mit der Vorband, Eat Them. Drei junge Männer, klassisch mit Gitarre, Bass und Schlagzeug, die ihre Instrumente gut im Griff hatten. Vielleicht sogar etwas zu gut, denn zwischendurch riss dem Gitarristen/ Sänger eine Saite. Doch das riss ihn nicht aus dem Moment, er nahm einfach eine andere Gitarre und spielte entspannt weiter.
Der Sound erinnerte mich etwas an die Indie-Rock-Musik der frühen 2000er: etwas unruhig mit spielerischer Gitarre und auch gut in Szene gesetztem Bass. Nach kurzer Recherche im Internet würde ich die Musik aber eher dem experimentellen Rock mit psychedelischen Untertönen zuordnen. Das würde auch mehr mit den künstlerischen Albumcovern im Einklang sein.
Instrumental war alles sehr angenehm, doch die Stimme wirkte auf mich etwas zu schwach für diesen musikalischen Hintergrund. Das könnte aber auch etwas an dem Klang in der Veranstaltungsstätte gelegen haben. Aber entscheidet selbst, hier ist mal ein Song zum Reinhören.
Nach einer halben Stunde war dann erstmal Pause. Der Saal war nun deutlich gefüllter als zu Beginn und die Leute waren alle erstaunlich groß. Meine Begleitung und ich hatten eigentlich einen guten Platz gefunden, doch kurz nach dem International Music loslegten, stellte sich ein großer Typ zu seiner Freundin vor uns. Wir hatten gefragt, ob die beiden zumindest Plätze tauschen könnten, aber das schienen sie nicht gehört zu haben. Tja, so ist das halt bei Konzerten. Etwas sauer war ich auf den Typen mit dem Aussehen eines Taubenkükens aber trotzdem.
Zum Glück machen International Music größtenteils sehr ruhige und entspannte Musik, so konnte ich mich zumindest etwas beruhigen. Wer die Band noch nicht kennt und mal reinhört, wird sich sicher etwas wundern: So sprachlich vielfältig ist die Musik gar nicht, die Texte sind so ziemlich alle auf Deutsch. Und sie klingt auch nicht so Mr-World-Wide-mäßig à la Pitbull, sondern nach verträumten, melancholischen Gitarren, aber dennoch etwas rockig. Das Albumcover von „Die besten Jahre“, im Stile kitschiger Porträtfotografie fängt die Stimmung eigentlich perfekt ein.
Live war die Band sehr ausgelassen, etwas lustig und ironisch-verpeilt, also passend zu deren sonstigen Selbstdarstellung. So wurde zum Beispiel mit vielen verschiedenen Worten immer wieder das Gleiche gesagt, um die Zeit beim Stimmen der Gitarre zu überbrücken.
Die Lieder klingen live noch etwas lebhafter als auf dem Album. Bei der ersten Zugabe (es gab nämlich zwei!) war es sogar so lebhaft, dass jemand sein oder ihr Bier weggeschleudert hat und der große Typ vor mir einiges abbekommen hat. „Karma Karma“ dachte ich mir. Auch wenn sich das Publikum „Cool bleiben“ gewünscht hatte, wurde das leider nicht gespielt. Aber „Farbiges Licht“ hatte zumindest für Strahlen in den Augen aller Gäste gesorgt.
Fazit: Angenehm und entspannt, etwas lustig und ganz leicht awkward (ich habe bisher kein deutsches Wort gefunden, dass die Stimmung so gut einfängt wie dieses). Und das Publikum war style-technisch auch so ähnlich unterwegs. Wahrscheinlich noch mal schöner in einem kleineren Konzertsaal.
xoxo


